Wartung

Wie jede technische Anlage funktioniert auch eine Photovoltaik Anlage nicht immer problemlos. Das liegt daran, dass in einer solchen Anlage viele elektronische und elektrische Bauteile unter für diese Bauteile extremen Bedingungen eingesetzt werden.

Jeder, der ein Mobiltelefon besitzt, weiß, dass auch dieses mit der Zeit kaputt geht. Aber die Steuerelektronik eines Wechselrichters kommt dem Aufbau eines Mobiltelefons schon sehr nahe. Hinzu kommt noch eine auf extreme Effizienz und unter großem Preisdruck hin gebaute Leistungselektronik. Auch die Solarzellen in den Modulen stellen elektronische Halbleiterbauteile dar. Sie sind mit vielen Lötungen zu einem Modul zusammen geschaltet. Dazu kommen noch Bypassdioden und eine oftmals kilometerlange Verkabelung mit vielen Steckverbindungen.

Also alles in allem sehr viele mögliche Schwachstellen, die im Laufe eines Anlagenlebens von mindestens 20 Jahren zu Teilausfällen oder Vollausfällen von Anlagen führen können.

Klar, einen Wechselrichter, der Ausfällt, den bemerkt man, aber wie sieht es mit Teilausfällen aus, zum Beispiel einem Modul in einem Strang oder gar einem Strang. Auch Probleme, wie korrodierende Steckverbindungen und damit verbundene Mindererträge oder Ertragsminderung durch Verschmutzung, wachsende Verschattung, etc. entdeckt der Laie meist gar nicht und ein geübter Profi selbst aus den Daten der üblichen Portale meist nur sehr schwierig.

Bei komplexen Systemen, deren Ausfall großen wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen oder gar Schäden für Leib und Leben verursachen könnte, werden die Systeme 2- oder mehrfach ausgelegt. Großes Augenmerk wird hierbei darauf gelegt, ja keinen Single-Point of Failure also keine einzige Stelle, deren Ausfall das ganze System, oder entscheidende Teile des Systems unbenutzbar machen kann, zu belassen.

Das ist an vielen Stellen im Kraftwerksbereich absolut üblich. Da jedoch in der Photovoltaik mit Renditen zwischen 6 und 8% gerechnet wird, gibt es derartige Systeme hier nicht.

Dazu kommt, dass in der Photovoltaik jede nicht erzeugte eingespeiste Kilowattstunde Strom nicht nachgeholt werden kann, denn die erhöhte Einspeisevergütung gilt nur für 20 Jahre. Was danach für den Strom bezahlt wird, kann niemand voraussagen. Es ist aber zu erwarten, dass die Vergütung dann sehr viel niedriger sein wird.

Es stellt also zuerst einmal eine Frage der Risikofreudigkeit eines Anlagenbetreibers dar, ob er seine Anlage warten lassen möchte, oder nicht.

Es gibt aber noch ein paar andere Aspekte, die man hier nicht vergessen sollte. So schreiben einige Wechselrichterhersteller einen jährlichen Check der Kühlung, teilweise inklusive Filterwechsel vor. Beachtet man das nicht, dann kann man die Garantieansprüche im Falle eines Defekts verlieren.

Des weiteren gibt es da noch das Thema elektrische Anlagensicherheit, die in der VDE 106 geregelt ist und die für elektrische Anlagen regelmäßige Checks der Betriebssicherheit vorsieht.

Es spricht also einiges dafür, dass man eine Wartung – zumindest einmal jährlich durchführen lässt.

Was sollte nun aber eine Wartung beinhalten?

Zuerst einmal natürlich eine Durchsicht der Wechselrichter:

  • Laufen alle?
  • Sind die Displays noch alle in Ordnung?
  • Sieht man mechanische Probleme (evtl. Verzug von Deckeln, Dichtungen durch Hitze, Kälte, etc)?
  • Entspricht die Montage den Vorschriften?
  • Wie sieht die Kühlsituation aus?
  • Sind sämtliche Kabel richtig angeschlossen und gesichert?
  • Stimmen die angezeigten Erträge mit den Erträgen aus der Überwachung überein und wie hoch sind diese?
  • Bei einphasigen Wechselrichtern mit Phasenkopplung muss auch die Einstellung und Wirksamkeit der Phasenkopplung geprüft werden.

 

Wie sieht der AC- also der Wechselspannungsteil der Anlage aus?

  •  Sind die Sicherungen in Ordnung?
  • Gibt es Schmorstellen?
  • Stimmen die Kabelquerschnitte?
  • Haben sich in der Verteilung evtl. Verschraubungen gelöst oder gelockert?
  • Haben Überspannungsschutzeinrichtungen ausgelöst?
  • Stimmt der Erdungs- und Schutzleiterwiederstand?

 

Wie gut funktioniert der DC Teil – also der eigentliche PV-Generatorteil?

  • Zunächst erfolgt die Prüfung der an Wechselrichtern zusammengefassten Stränge auf Gleichlauf (mittels DC-Amperemetern)
  • Es erfolgt eine Sichtprüfung der Verkabelung (so weit möglich) und der Stecker.
  • In welchem Zusatand sind Kabel, Stecker und Befestigungen (UV-Schäden)?
  • Die Module werden auf Verschmutzung und Risse geprüft.
  • Wenn möglich erfolgt eine IR-Aufnahme zur Erkennung von Hot-Spots.

Auch eine mechanische Prüfung des Generatorteils muss erfolgen:

  • Sind die Module noch ordnungsgemäß befestigt, oder haben sich Modulklemmen gelöst?
  • Weist die Unterkonstruktion Korrosion auf (Lokalelemente)?
  • Ist die Dachbefestigung noch in Ordnung?
  • Wurde evtl. durch die Anlage das Dach in Mitleidenschaft gezogen?
  • Sind sämtlich Dacheinführungen noch sauber und dicht?

Daneben sollte auch vom DC-Teil im Falle eines Verdachts der Isolationswiederstand gemessen werden.

 

Das alles wird in einem Wartungsprotokoll zusammengefasst und dem Anlageneigentümer übergeben.

Nun liest man immer wieder in Foren, dass das der geneigte Anlagenbesitzer ja leicht selber könne. Das würde eine Elektroberechtigung für den AC-Teil voraussetzen, die Kenntnisse, der Anforderungen der VDE, wirkliches Wissen um den inneren Aufbau von Modulen und der bei ihm eingesetzten Wechselrichter.

Sicher mag es den einen oder anderen geben, der das alles weiß und kann. Allen anderen können wir aus unserer Sicht nur dringend raten, nicht am falschen Ende zu sparen und dadurch am Ende zu riskieren, dass eine eigentlich sinnvolle Geldanlage zum Geldvernichter wird.

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