Schneckenspuren in Photovoltaik-Modulen

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Bei “Schneckenspuren“, auch “Snail Tracks” oder “Worm Marks” genannt, handelt es sich, wie es vielleicht der Name vermuten lässt, NICHT um Schleim- oder Krabbelspuren auf den Photovoltaik-Modulen. Die Schneckenspuren treten insbesondere bei mono- oder polykristallinen Modulen auf. Wir haben die Entstehung der Schneckenspuren auf mehreren Anlagen beobachten können, zum Teil geht es recht schnell (innerhalb von 5 Monaten), zum Teil dauert es einen oder zwei Winter, bis die Spuren entstanden sind.

Als Schneckenspuren bezeichnet man Verfärbungen der Ableitfinger, sichtbar wird dies vor allem auf der Frontseite der Module. Die Aufgabe der Ableitfinger ist, den fließenden Strom aus dem Silizium aufzunehmen und zu der vertikal verlaufenden “Sammelbahn” zu führen. Diese Ableitfinger bestehen oft aus einer auf das Silizium aufgedruckten Silber-Metall-Kontaktpaste.

 

 

Was haben uns die Schneckenspuren zu sagen?

Kurz: Eine Schneckenspur ist letztendlich einen Mikroriss, der durch chemische Effekte sichtbar geworden ist. Das bedeutet, dass jedes Modul mit Schneckenspuren definitiv Mikrorisse hat – aber keine Schneckenspuren, bedeutet nicht, dass keine Mikrorisse in den Zellen sind.

Doch wo kommt diese Verfärbung her?

Das “Institut für Solarenergieforschung” hat festgestellt, dass sich Schneckenspuren vor allem um Mikrorisse in den Modulen herum bilden. Die Verfärbung kommt, so die Annahmen der Wissenschaftler, daher, dass in den Mikrorissen Feuchtigkeit zwischen den Polen durch Elektrolyse zu Wasserstoff reagiert und die Silber-Metall-Leitpaste mit dem Wasserstoff aus den Mikrorissen und Halogenen chemisch reagieren kann. Jeder Besitzer von kostbarem Silberbesteck kennt das Problem der Silberverfärbung, beispielsweise durch die Verwendung ungeeigneter Reinigungsmittel, eine ähnliche Reaktion läuft im Modul ab. Doch diese Reaktion läuft, wie beim Besteck, vor allem an der Oberfläche der Leitpaste ab, der Kontakt zum Silizium auf der Rückseite bleibt also erhalten.

Vermutet wird ein Zusammenhang mit der EVA-Folie des jeweiligen Moduls: In die EVA-Folien werden die einzelnen Solarzellen eingebettet; EVA steht für “Ethylenvinylacetat”. Die Schicht befindet sich zwischen dem Glas und den Zellen und muss daher transparent sein. Gleichzeitig ist EVA bekannt dafür, in seiner Rohform nicht besonders UV-Stabil zu sein. Deshalb werden diese EVA-Folien oft mit Abschlagsstoffen versehen, die auch brandhemmende und weitere wünschenswerte Wirkungen erzielen. Die Abschlagsstoffe sind oft aus der Gruppe der Halogenen. An der Oberfläche der Leitpaste befindet sich jene Eingangs erwähnte EVA-Folie – somit sind auch gleich die weiteren Reaktionspartner wie die Halogene vorhanden.

Abwicklung über Gewährleistung, Produkt- und Leistungsgarantien

Die Bewertung von Schneckenspuren in Modulen fällt unterschiedlich aus. Ertragsrelevant sind vor allem die Mikrorisse. Doch Mikrorisse findet man, so man will in jedem Modul, dass bereits einmal montiert war. Sofern die Schneckenspuren nur vereinzelt auftreten, sind sie also für den Ertrag eher unerheblich. Sofern die Gewährleistungs- und Produktgarantiezeiträume abgelaufen sind, wird ein Rückgriff auf die Leistungsgarantie nur im Falle möglich sein, dass das Auftreten von Schneckenspuren massivst ist. Davon kann man etwa reden, wenn jede dritte Zelle in einem Modul einen oder mehrere dieser Risse hat.

Wenn man noch in der Gewährleistungs- oder Produktgarantiezeit ist, sollte man diesen Mangel hartnäckig rügen. Dabei ist darauf zu achten, dass man bei beispielsweise einem 60-Zellen-Modul ab etwa 5 Zellen mit sichtbaren Schneckenspuren von einem Serienfehler ausgehen kann. In diesem Fall sollte man auch in der Mängelrüge deutlich von einem Serienfehler sprechen, um auch nach dem Ablauf der Fristen eventuell weitere Module ausgetauscht zu bekommen.

Gewährleistung besteht in der Regel zwei Jahre. Die Gewährleistungsansprüche richten sich immer gegen denjenigen, bei dem man die Module gekauft hat. Die Produktgarantie unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller teils drastisch, hier 5 Jahre, dort 10 Jahre, hin und wieder gibt es auch gar keine Produktgarantie und manche behalten sich selbst vor, über die Erbringung von Garantieleistungen frei zu entscheiden. Hier hilft nur genaues studieren der Produktgarantiebedingungen des Herstellers (nicht zu Verwechseln mit den Garantiebedingungen für die Leistungsgarantien).

 

Falls Sie Schneckenspuren auf Ihren Modulen haben, beraten wir Sie gerne – nehmen Sie Kontakt auf.

 

Bild & Text: Andreas Witte

3 Kommentare zu „Schneckenspuren in Photovoltaik-Modulen“

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