Abzocke bei Stromspeicherung? Ja bitte???

Letztens erreichte uns wieder mal eine Werbeschrift. In großen Lettern stand dort “Strom speichern – Ja Bitte!”. Natürlich schaut man sich sowas an – schon allein um ggf. neue Trends zu erkennen.

Nach etwas genauerem Hinsehen entpuppt sich allerdings die gesamte Werbung als sehr nahe am gewerbsmäßigen Betrug. Denn der Handelsvertreter macht folgende Rechnung auf:

Ein 4 Personen Haushalt verbraucht ca. 5.100 kwh/pa. (Quelle: BMU) Geht man von diesem Grundverbrauch aus, so würde eine unserer Anlagen mit einer Gesamtleistung von 4.486 rund 88 % der benötigten elektrischen Energie liefern. Im Sommer liefert die Anlage erheblich mehr Energie als in den Wintermonaten. Alle Werte sind Durchschnittswerte. Die Überschußenergie im Sommer wird automatisch ins öffentliche Netz zurückgespeist und im Winter und bei sonnenlosen Tagen wird automatisch das Hausnetz vom öffentlichen Netz aus versorgt. Es wird angenommen dass 80 % der Solarenergie für den Eigenverbrauch eingesetzt wird.

Der mittlere geerntete Wert beträgt 4.486 kwh/a

Eigenverbrauch somit 3.589 kwh/a

Rückspeisung 897 kwh/a

Eingesparte Kosten 1.256 Euro (Unterstellt wurden 35 ct. durchschnittllicher Strompreis in den nächsten 20 Jahren)

Erlös für Rückspeisung 2) 126 Euro (bei 16,5 ct.)

Einsparung 1.382,– Euro/p.a.

Ohne Abschreibungen

Das Kleingedruckte bei 2) sagt folgendes:

2)Angenommen die Anlage wurde Ende 2011 installiert. Nur 85% der rückgespeisten Energie wird vergütet.

Und weiter:

Bei Beschaffungskosten dieser beispielhaften Gesamtanlage von 21.849,– Euro und einer 20 jährigen linearen Abschreibung und einem angenommenen Grenzsteuersatz von 35 %/a werden ca. weitere 382,– Euro an Steuern gespart. (Fragen Sie bitte Ihren Steuerberater)

Zusammenfassung:

  •  Einsparung durch weniger Fremdbezug : 1.256 Euro/Jahr
  • Erlös für Rückspeisung: 126 Euro/Jahr
  • 20 jährige Abschreibung: 382 Euro/Jahr

 Summe                                             1.764,– Euro/Jahr

Die Anlage ist also in ca. 12,4 Jahren bezahlt! Da die Abschreibung dann noch 7,6 Jahre weiterläuft ist der Ertrag in diesen 7,6 Jahren noch mal ca. 13.406,– Euro

 

Vor lauter “Seriösität” weiß man ja gar nicht, wo man da anfangen soll zu kritisieren.

 

Reise in die Vergangenheit?!?

Natürlich kann man zurückrechnen, was wann wo sich vielleicht bei früheren Förderungen rentiert hätte. Aber sowas hat nichts in einer Rentabilitätsrechnung für Anlagen, die noch verkauft und gebaut werden müssen zu suchen. Aber die 126 Euro fallen “eh” nicht so sehr ins Gewicht…

 

35 Cent / kWh als Durchschnittspreis für Strom in den nächsten 20 Jahren!?!

Natürlich rechnet sich alles irgendwann, wenn man nur die Preise hoch genug ansetzt. Interessant ist hier, dass 35 Cent als Durchschnittswert für die nächsten 20 Jahre extrem überhöht sind – denn von den derzeit ausgehenden 20 Cent je Kilowattstunde in einer normalen Haushaltsstromrechnung müsste dann der Preis 2032 bei 50 cent / kWh angekommen sein. Somit würden die Energiekosten jedes Jahr 12,5% steigen. Das ist jedoch bei zunehmendem Ausbau der alternativen Energien unwahrscheinlich, da diese sehr sehr fixe Preise haben und neue Anlagen immer günstiger errichtet werden. Mit wachsendem Zubau von Wind, Photovoltaik und Biomasse wird die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen immer weiter reduziert – und somit auch die Einwirkung der Weltmarktpreise für Öl und Kohle auf den Strompreis. Eine solch hohe Steigerung ist also nicht wahrscheinlich. Auch nicht über die Netzentgelte.

 

5.100 kWh/A für einen 4-Personen-Haushalt als Grundverbrauch für die nächsten 20 Jahre!?!

Ja die Angabe stimmt schon. Bloß würde niemand Statistiken anfertigen, wenn sich solche Werte nicht ändern würden. Konkret ist der Trend des Energieverbrauchs im Privathaushalt rückläufig. Nicht nur wegen des Verkaufsverbots für Glühlampen, sondern da generell fast jedes elektrische Haushaltsgerät auf Energieeffizienz getrimmt wird. Die Einsparpotenziale sind also noch lange nicht ausgeschöpft. Und wenn weniger verbraucht wird, erhöht dies die Rückspeisung ins Netzz, die mit 16,5 Cent deutlich niedriger vergütet wird. Angenommen, der Haushalt spart nur 2 % jedes Jahr, so erhöht sich die finanzielle Amortisationszeit um grob 2 Jahre!

Auch sind 4-Personen-Haushalte langfristig kein stabiles Muster. Die Kinder ziehen aus, jemand stirbt, usw. Die Anzahl der Bewohner ist über einen Zeitraum von 20 Jahren nur dann einigermaßen konstant, wenn der Schwangerschaftsteststreifen die Farbe gerade gewechselt hat. Und auch dann wird man vermutlich andere Anschaffungen tätigen müssen, wie etwa ein Batteriesystem.

 

12,4 Jahre Amortisationszeit für Batterien, die nur 5 Jahre Herstellergarantien haben?!?

Eine Herstellergarantie von 5 Jahren wird angeboten – die Batterielebensdauer beträgt angeblich 20 Jahre. Normalerweise versichern Hersteller die Langlebigkeit Ihrer Produkte mit Garantien. Etwa Modulhersteller, die eine Leistungsgarantie für Ihre Module geben. Oder Autohersteller, die versprechen, dass die Fahrzeuge einen bestimmten Zeitraum lang nicht rosten. Wie lange Produkte Garantien haben, sagt aber viel über das aus, was Hersteller ihren Produkten zutraun. Jedoch gibt es zu den Akkus nur 5 Jahre Garantie. Damit geht man das unüberschaubare, technische Risiko fast vollkommen selbst ein. Welcher Immobilieneigentümer kann selbst nachvollziehen, was in der Batterie drinnen ist, auf welchem qualitativen Standard diese gefertigt wurde und wie lange sie tatsächlich halten wird?

 

Amortisation OHNE Kreditfinanzierung

Das hier vorgerechnete Modell enthält keine Kreditfinanzierung. Jedoch kostet es knapp 22tausend Euro. Die bringt man nicht eben mal vom Bankautomaten mit. Selbst Photovoltaikanlagen werden Kreditfinanziert. Wenn man hier eine übliche Verzinsung von 3-4 Prozent einrechnet, so laufen die Zinsen vor den Einsparungen davon, also zu deutsch, es wird sich nie rentieren. Wenn ich 22.000 Euro aufnehme, dann dürfte man mit 660 Euro pro Jahr für den Kapitaldienst dabei sein. Wenn die Anlage alle 20 Jahre ersetzt wird, muss ich jedes Jahr 1100 Euro zurücklegen. Somit stehen 1760 Euro 1380 Euro Einsparungen gegenüber – ein satter Verlust von 380 Euro pro Jahr!

 

Weitere Probleme dürften sich bei der Entsorgung ergeben, aber die steht ja erst in 20 Jahren an… Außerdem steht nichts zu Wartungskosten usw. in den Zahlen. Von einer solchen Investition können wir also getrost abraten!

Wer hier weiter recherchieren möchte, der kann von uns gerne das vorliegende Angebot weitergeleitet bekommen.

(Autor: Andreas Witte)

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